Von Getuschel bis zu offener Ablehnung

Aargauer Zeitung, 19. September 2005

JOEL O'NEIL

Mit seiner Maturarbeit hat Ivo Colombo aufgezeigt, dass das Thema Homosexualität an Kantonsschulen noch immer ein Tabu ist. Darum ist nun der Verein «HalloWelt!» gegründet worden.

«Wir sind da», sagte Ruben Ott an der Gründungsfeier des Vereins «HalloWelt!» im Foyer der Kantonsschule Baden. Die Mitglieder des Vereins möchten Präsenz markieren. Sie wollen da sein für diejenigen, die nicht das Vertrauen in ihre Umwelt haben, sich öffentlich zu ihrer Homosexualität zu bekennen. Ihr Ziel ist es, an Kantonsschulen ein schwulen- und lesbenfreundliches Klima zu schaffen.

Die vier Gründer des Vereins, v. l. Ivo Colombo, Laura Eigenmann, Denise Tomasi und Ruben Ott, stellen sich der Diskussion (Foto: mz/jon)

Dass Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben an der Schule nicht selbstverständlich ist und Homosexualität immer noch tabuisiert wird, haben die vier Gründer des Vereins am eigenen Leibe erfahren müssen. Von Getuschel bis hin zu offener Ablehnung reichen die Erfahrungen der Einzelnen. Ivo Colombo, ebenfalls Gründungsmitglied des Vereins «HalloWelt!», hat dies in seiner Maturarbeit zum Thema «Akzeptanz von Homosexualität an der Schule» aufgezeigt. Bei Schülern und Lehrern ist seine Arbeit auf grosse Resonanz gestossen.

Hilfe beim Coming-Out

Dieses Echo war es dann schliesslich auch, das den Stein ins Rollen brachte. Das eigens aufgestellte Internetforum zog Gleichgesinnte an und bot Diskussionsraum. Schon bald war die Idee zur Gründung eines Vereins geboren. Anderen Schwulen und Lesben soll der Schritt zum Coming-Out erleichtert und durch die Öffentlichkeitsarbeit sollen Berührungsängste abgebaut werden. Durch persönlichen Kontakt mit homosexuellen Personen kann die ablehnende Haltung der Schüler am besten revidiert werden, sind die Vereinsgründer überzeugt.

Plattform geschaffen

Nun versucht der Verein durch Flyer und durch die Schülerzeitungen eine Plattform für sein Anliegen zu schaffen. An Schulanlässen wie dem Kantiball kümmert sich «HalloWelt!» um die Garderobe und kann so den Bekanntheitsgrad erhöhen.

«Potenzial ist auf jeden Fall da», sagte Ott beim Apéro. Ob an der Kantonsschule in Baden, Aarau oder Olten: Die Toleranz gegenüber Homosexualität lässt gemäss Verein zu wünschen übrig. Je nach Entwicklung soll deshalb die «Expansion» auf andere Schulen nicht lange auf sich warten lassen müssen. Vorerst will sich «HalloWelt!» aber auf Baden und Olten konzentrieren. (mz/jon/mlu)